Ich fragte mich heute mal was das Gegenteil von Intellektuell ist. Ich lies also Meine Suchmaschine rattern und bekam ein paar nette Antworten wie zum Beispiel : unintellektuell, Blöd, unerzogen, ungebildet,……..

Der Grund warum ich das tue ? Weil ich gegen kaum etwas mehr Abneigung habe als Menschen die sich selbst zu Eliten hochstilisieren oder sich geben als wären sie was besseres als alle anderen Hans Wursten auf unserem Erdball. Oft sind es Menschen mit akademischen Abschlüssen, die sich geben als würde Ihr Stuhlgang nach Feilchen duften, und die meist von oben herab die öffentliche Diskussion zu allen nur erdenklichen Themen dominieren. Noch öfter passiert das in einem Stil, der von Fremdwörtern und Schachtelsätzen geprägt ist um möglichst jeden, dessen Sprachkenntnisse geringer sind in Schrecken zu versetzen, und so eine Beteiligung an einer Diskussion im Keim zu ersticken. Das sind z.B die Art von Menschen die dann In der Öffentlichkeit sitzen um über Salafisten und Wahabiten zu sprechen, aber nie einen Salafisten oder Wahabiten einladen um mit Ihm zu sprechen! Denn diese sind ja offensichtlich Geistig komplett unterlegen, weshalb man lieber unter seinesgleichen bleibt um Intellektuelle Gedankeninzucht zu betreiben.

Man darf mich nicht falsch verstehen, ich liebe es schöne Texte zu lesen und bewundere Menschen die sich gut und gewählt ausdrücken können. Auch nachschlagen und seinen Wortschatz erweitern finde ich eine tolle Sache. Es macht jedoch einen Unterschied ob ich mir ein Buch von Goethe hole oder eine Zeitung. Ob ich mich in ein Fachseminar setze oder in die Moschee.

Da ich weder einen akademischen Abschluss habe noch sonderlich belesen bin, muss ich wohl für die Kaste der Intellektuellen ein Depp per Definition sein. Trotzdem schreib ich jetzt mal was mir so durch meinen Kopf geht. Wenn man sich viel mühe gibt wird man ja vielleicht schlauer, und darf sich dann auch als vollwertiges Mitglied der (weißen) Intellektuellen muslimischen Kaste fühlen, die uns regelmäßig öffentlich Ihre Intellektuellness versucht unter die Nase zu reiben.

Aber nun zum Thema:

Im Dezember letzten Jahres hat sich die Islamische Zeitung dem Thema der kritischen Weißseins Forschung, gewidmet. Nachdem schon mehrere kritische Posts seitens des höchst kritikunfähigen Online Journalisten Tarek Bärliner kamen, hat es den Herrschaften wohl alle Schalter rausgehauen als ihr „Allround Alim“ Hamza Yusuf heftige Kritik von schwarzen Muslimen erntete nachdem er sehr unpassende Aussagen tätigte, die das rassistische System in den U.S.A verharmlosten, und den Blickwinkel von den Zielen der Blacklivesmatter Bewegung von der Unterdrückung der Schwarzen in Amerika, unter anderem auf deren schwarz gegen schwarz Kriminalität, oder gar die weißen Opfer von Polizeigewalt versuchte zu lenken.

Nun versucht man mit Intellektuell anmutender Blasiertheit Critical Whiteness als unislamisch hinzustellen. Dies tat man zunächst mit einem Artikel der vor Fremdwörtern strotzte (so das sogar intellektuelle Leser Schwierigkeiten hatten diesen zu verstehen), woraufhin dieser verschwand und ein neuer Artikel erschien der immer noch etwas hochgestochen klingt, aber den man wenigstens noch folgen kann. Trotzdem ist er noch so geschrieben dass die nicht Intelektuellen Deppen, zu denen ich mich zähle, immer noch Schwierigkeiten haben genau zu verstehen was man uns sagen will. Ich finde es sehr seltsam wenn eine Islamische Zeitung sich in Ihrer Wortwahl nur an die „Elitemuslime“ richtet, wenn die Meisten Muslime in Deutschland Kfz-Mechaniker, Metzger, Kaufleute und andere „Normalos“ sind.

Ich versuche nun in mehreren Teilabschnitten diesen Artikel zu betrachten. Ihn in Worte zu übersetzen die ich (und hoffentlich der letzte Depp) verstehe und mir Gedanken zu machen. An diesem Prozess will ich euch teilhaben lassen.

Den Original Artikel findet ihr hier. Und eine einfache und gute Erklärung was Critical Whiteness bezweckt hier

Beginnen wir nun mit der Einleitung die noch klar und verständlich ist. Die Autorin schreibt :

Im Zuge der Kontroverse um Schaikh Hamza Yusuf gab es immer wieder Stimmen, die sein „Weißsein“ problematisierten. Doch worum geht es der „Critical Whiteness“, und lässt sich diese überhaupt so einfach in muslimisches Denken integrieren?

(iz). Ein Gespenst geht um unter akademisch gebildeten Musliminnen und Muslimen – das Gespenst der „Critical Whiteness“. Die „kritische Weißseinsforschung“ beschäftigt sich mit „Weißsein“ als unbewusste Norm und Maßstab, möchte diese offenlegen und wahrnehmbar machen. Im muslimischen Kontext durfte man zuletzt in den deutschen und amerikanischen Sozialen Medien beobachten, wie Schaikh Hamza Yusuf – aufgrund einiger Aussagen bei der RIS 2016 – als „weißer Bursche“ bezeichnet wurde.

Vor diesem Hintergrund gilt es, ein paar Einwände gegen einen Diskurs zu skizzieren, der von intellektuell engagierten Muslimen bisweilen unkritisch rezipiert worden ist, also ohne eine Überprüfung, ob er im allgemeinen oder spezifischen nicht vielleicht den islamischen Lehren entgegensteht. Ausgangspunkt folgender Überlegungen ist ein Unbehagen sowohl mit der Praxis als auch mit einigen theoretischen Punkten der Critical Whiteness (CW).

Meine Gedanken dazu:

Das weiße Menschen ein „Unbehagen“ verspüren wenn es um Ihre eigene Position und das diskutieren Ihrer Privilegien in der Gesellschaft geht, ist nicht ungewöhnlich. Geht es doch in erster Linie darum, den Blickwinkel zu wechseln, und zum Objekt zu werden über das andere Diskutieren, und auch mitunter darum Kategorien hinnehmen zu müssen die nicht Weiße Menschen aufstellen und Beschreibungen annehmen zu müssen, die dem eigenen Selbstverständnis widersprechen. Dazu sage ich erstmal: „Willkommen in unserer Welt !“. Schwarze Menschen und PoC werden seit Jahrhunderten immer durch weiße Menschen in Kategorien gesteckt und uns hat auch niemand dazu gefragt.

Weiter schreibt sie:

Auseinandersetzungen im Kontext von Critical-Whiteness-Ansprüchen lassen sich gut auf das aktuelle Beispiel von Schaikh Hamza Yusuf übertragen. Es ist der intendierte Skandal, der, durch die sozialen Medien transportiert, beim Vorwurf endet, dass die Positionen der von Rassismus Betroffenen mal wieder übergangen worden seien. Marginalisierte also erneut zum Verstummen gebracht und damit rassistische Herrschaftsverhältnisse perpetuiert worden seien – weitestgehend unabhängig von den konkreten und diskutablen Inhalten. Bei manch einem offenbarte sich gar ein inquisitorischer Mechanismus, jenseits jeder muslimischen Ethik, mit dem Ziel, unliebsame Positionen oder Personen endlich ins Abseits zu schieben.

Keiner möchte leugnen, dass Hautfarbe einen Unterschied innerhalb der gesellschaftlichen Zusammenhänge darstellt. Die Differenz ergibt sich aus konkreten rassistischen Verhältnissen auf politischer, sozialer oder ökonomischer Ebene und deren institutionellen Voraussetzungen. Aber es ist eine grundlegende analytische Verengung, den Rassismus säuberlich in die Dichotomie zweier Gruppen zu verteilen, bei denen die einen Täter und die anderen Opfer sind.

 

„White Privilege“ (weiße Privilegien) forciert dieses binäre Denken noch weiter und suggeriert, dass es zwei Gruppen gäbe, die einander unmittelbar als Widersacher gegenüberstünden, bei denen die einen ausgegrenzt würden und die anderen davon profitierten. Ist die kritische Perspektive von CW erstmal zur Weltanschauung geworden, dann wird jedes Sprechen und Handeln dahingehend überprüft, ob es sogenannte weiße Privilegien herstellt oder sichert. Damit wird alles andere – wie zum Beispiel der Wahrheitsgehalt von Aussagen oder die Intentionen des Sprechers – zur Nebensache.

Mein Verständnis :

Hier sagt die Autorin, dass es sich bei der Aufregung über Hamza Yusufs um einen mit Absicht herbeigeführten d.h künstlichen Skandal handelt, bei dem Ihm vorgeworfen wird, dass Betroffene (also Schwarze) in der Diskussion übergangen wurden und die Menschen aus Randgruppen mal wieder zum verstummen gebracht wurden. Das durch dieses Verhalten rassistische Verhältnisse fortgesetz wurden und das bei der ganzen Aufregung eigentlich allen egal war was Hamza Yusuf überhaupt gesagt hat. Der Absatz endet mit dem Vorwurf das manche Leute mit Absicht gegen Hamza Yusuf gehetzt zu haben, weil sie ihn schon von vornherein nicht mochten.

Sie fährt fort in dem sie behauptet das White Privilege diese schwarz-weiß denken noch weiter vorantreibt indem diese Betrachtungsweise behaupten würde, dass schwarze und weiße sich direkt als Feinde gegenüberstehen. In dieser Face to Face Konfrontation werden die Schwarzen ausgegrenz und die Weißen profitieren. Sie sagt wenn Critical Whiteness zur Weltanschaung wird würde jedes sprechen und jede Tat eines weißen dahingegend überprüft ob es weiße Privilegien herstellt oder sichert. Damit würde alles andere wie zum Beispiel die Absicht die jemand bei seinen Aussagen hat, zur Nebensache.

Darüber denke ich :

Zunächst einmal stellt sich die Frage in wie weit hier ein Skandal inszeniert wurde. Es mag sein das manche Menschen mit schlechten Neigungen, die Hamza Yusuf nicht mögen, auf den bereits Fahrenden Zug der Aufregung, über seine getätigten Aussagen aufgesprungen sind, jedoch ist das ja nicht das eigentliche Problem. Das Ausschlaggebende waren die Aussagen Hamza Yusufs und wie das Gesagte bei den betroffenen ankam.

So behauptete Yusuf unter anderem, das die U.S.A  in Bezug auf Ihre Gesetzgebung eines der am wenigsten rassistischen Länder der Welt ist, und die besten Antidiskriminierungsgesetze der Welt habe. Weiter behauptete er das doppelt so viele Weiße von der dortigen Polizei erschossen würden nur niemand diese Videos verbreiten würde.

Diese Aussagen waren für viele eine Verzerrung der Realität und eine Verharmlosung der unterdrückenden, ungerechten Situation, und der Brutalität des Justizsystems dem Schwarze in den U.S.A seit jeher ausgesetzt sind. Die Relativierung der ungerechten Behandlung durch den Staat indem man auf die weißen Todesopfer durch Polizeigewalt hinweist klingt wie blanker Hohn wenn man sich ein Gesamtbild der Situation der dortigen Schwarzen Bevölkerung macht.

White Privilege ist zunächst mal ein Akademisches Konzept welches im akademischen Forschungsfeldern benutzt wird um zu analysieren wie Rassismus und rassifizierte Gesellschaften das leben weißer oder hellhäutiger Menschen beeinflusst.

Es beschreibt, meiner Kenntnis nach, nicht dass Weise das Schwarze und weiße Menschen sich überall und immer tatsächlich feindlich gegenüberstehen, sondern es beschreibt Theorien und  Tatsachen die auch in unserer Gesellschaft anzutreffen sind. Um das zu verdeutlichen zitiere ich aus dem Buch Deutschland Schwarz weiß von Noah Sow das sich primär an weiße Leser richtet:

Weiß sozialisierte Menschen wehren sich oft mit Zähnen und Klauen dagegen als „Weiße“ bezeichnet zu werden. Sagen sie mal Laut: „Ich bin eine Weiße“ und auch: “ Ich bin eine von diesen Weißen da“ und vervollständigen Sie: „Ich bin eine typische Weiße weil……“ merken Sie, dass sie gar keine Lust darauf haben? Man könnte Sie ja mit all den anderen Weißen in eine Schublade stecken! Willkommen im Club!

Klar sind sie ein Individuum und sie werden im Gegensatz zu PoC auch als solches behandelt. Sie müssen sich jetzt aber mal ein Weilchen darauf einlassen, nicht darauf zu bestehen das Ihr Blick der allgemeingültige sei……….Sie sind verwöhnt, sie sind mit einer Fülle an Privilegien geboren und aufgewachsen, das sie als dermaßen selbstverständlich empfinden, das Sie wahrscheinlich nicht einmal wissen, dass sie existieren und welche das sind. Eines dieser Privilegien ist übrigens auch, das sie sich viele der Ihnen „angeborenen“ Vorteile selbst zunichte machen können wenn sie es drauf anlegen. Kommen sie also nicht mit der Klage: „Zu mir sind die Leute aber auch unfreundlich!“, wenn sie nicht gerne duschen und in Ihrer Jackentasche Camembert sammeln. Wenn sie andererseits unverschuldet, beispielsweise wegen Ihrer sexuellen Orientierung, diskriminiert werden, dann ist das schlimm. Es ist aber unbedeutend für Ihr weißes Privileg. Wie erwähnt gibt es ja auch homosexuelle Schwarze.

Als weiße deutsche haben Sie unter anderem von Geburt an folgende Privilegien :

  • Als Individuum betrachtet zu werden
  • Als Mitglied der Bevölkerung betrachtet zu werden
  • nicht automatisch als Fremd betrachtet zu werden
  • nicht rechtfertigen zu müssen, weshalb Sie in ihrem eigenen Land leben und weshalb Sie überhaupt in Ihrer Farbe existieren
  • sich und Ihre Gruppe selbst benennen zu dürfen
  • alle Menschen die nicht weiß sind, benennen, einteilen und kategorisieren zu dürfen
  • das ihre Anwesenheit als normal und selbstverständlich betrachtet wird
  • sich benehmen zu können als spiele Ihre eigene ethnische Zugehörigkeit keine Rolle
  • jede andere Kultur nachäffen oder sich in Teilen aneignen zu können, ohne von der Mehrheitskultur ausgegrenzt zu werden (ausgelacht vielleicht…ausgegrenzt nicht)
  • bestimmen zu dürfen, inwiefern die Errungenschaften und Meinungen aller Menschen, die nicht weiß sind, relevant sind, selbst wenn diese Menschen viel gebildeter sind als Sie
  • aufzuwachsen ohne das sie selbst rassistisch beleidigt werden können
  • in der Gesellschaft in der Sie leben öffentlich anonym bleiben können, wenn sie wollen
  • nie darüber nachdenken müssen, ob Verdächtigungen oder Kontrollen vielleicht aufgrund Ihres vermeintlich anderem Aussehens erfolgen
  • Fremden Ihre Herkunft nicht erklären zu sollen
  • grundsätzlich ungehindert und unkontrolliert in die ganze Welt reisen zu können auf Rassismus nicht reagieren zu müssen

Ich denke dadurch wird klar auf was die Betrachtung von White Privileges abziehlt. In Ländern wie den U.S.A sind diese Privilegien mitunter viel extremer und ausgeprägter was man sich vor Augen halten sollte, wenn Leute wie Hamza Yusuf als „privileged white Boy“ bezeichnet werden.

Sicherlich sollte ein extremes schwarz Weiß denken nicht zur Weltanschauung werden, und ich bezweifle ob white privilege überhaupt als Weltanschauung bezeichnet werden kann, handelt es sich doch um eine akademische Perspektive die in entsprechenden Wissenschaftsfeldern Anwendung findet.

Schwarze Menschen sollten sich jedoch dieser Privilegien bewusst werden, um Ihre eigene Rolle in der Gesellschaft und sich ihrer eigene Erziehung und Denkweisen bewusst zu werden um sich vom Stockholm Syndrom gegenüber der weißen Mehrheitsgesellschaft, sei diese muslimisch oder christlich,  zu erholen und Ihren zukünftigen Generationen dieses nicht zu vererben.

Und weiße Menschen müssen sich Ihrer Privilegien bewusst werden, das Geschehenes, gesellschaftlich aufgearbeitet und rassistische Handlungen und Aussagen irgendwann ein Ende haben. Auch schaffte es, mit Offenheit und echtem Interesse, ein besseres Verständnis für die Situationen denen Schwarze und PoC in der hiesigen und anderen Gesellschaften ausgesetzt sind.

Bei gewissen Angelegenheiten, ist auch die Absicht des Sprechers gegenüber des Angesprochenen vollkommen egal. Ein Beispiel:

In meiner Heimat Bayern nennt man ein großes oder voreiliges Mundwerk „Fotzn“ wenn ich nun in Berlin zur Autorin komme und ihr in einer Diskussion mit einem Lachen im Gesicht sage „Sie haben aber eine große Fo…“, um hinterher, mit einem Blumenstrauß in der Hand,  auf meine Absicht zu verweisen und dann zu sagen „Ist doch alles nicht so schlimm.“ wäre ich gespannt wie Sie reagiert. Dies ist übrigens die selbe Argumentation derer sich Menschen bedienen die das Wort „N…“ oder „Mo…“ benutzen, und darauf beharren obwohl man Sie als betroffener hinweist, das man selbiges als Beleidigung und abwertend empfindet.

In vielen Fällen ist es in unserer Gesellschaft notwendig Aussagen und Handlungen dahingehend zu überprüfen ob diese weiße Privilegien herstellen oder sicheren, aber nicht um einfach seinen Frust rauszulassen und auf weißen herumzuhacken, sondern um ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken. Natürlich gab es in der Vergangenheit Situationen in denen vereinzelt über die Strenge geschlagen wurde oder Personen die in dieser Sache übertreiben. Was jedoch nicht bedeutet das dies grundsätzlich der Fall ist! Denn gerade als Muslim sollte man doch wissen wie oft man Übertreiber in den eigenen Reihen findet.