Wenn ich unter Muslimen versuche das Thema Rassismus anzusprechen sind die Reaktionen darauf so mannigfaltig wie die Menschen an sich, doch meist kann ich sie nicht positiv bewerten.

Vorweg möchte ich ein Zitat wiedergeben das ich gestern auf der Facebookseite einer Schwester im Islam fand:

“When Malcolm X said, „Islam kills racism“, he literally meant Islam and not muslims. Not people converting to Islam, or being socialised in an islamic household.
Unless we understand that, we will not be able to be a community for the most marginalized amongst us.
Be it white converts, be it non black muslims. We all need to act from an anti-racist islamic point. Checking ourselves and each other.
But instead we prefer to embrace Malcolm, but not the people he died for.”

„Als Malcolm X sagte “Islam tötet Rassismus” meinte er damit wortwörtlich den Islam. Nicht Muslime, nicht Menschen die zum Islam konvertieren, oder solche die in einem islamischen Haushalt erzogen wurden. Bis wir das nicht verstanden haben, werden wir nicht in der Lage sein eine Gemeinschaft für die am meisten ausgegrenzten unter uns zu sein. Seien es weiße Konvertiten, seien es nicht weiße Muslime. Wir alle müssen von einem antirassistischem islamischen Standpunkt aus handeln.

Doch stattdessen akzeptieren wir Malcolm aber nicht die Menschen für die er starb.“

“Es gibt keinen Rassismus im Islam”

Dieser Satz an sich ist absolut korrekt. Allerdings muss man schon sehr töricht sein um den Islam mit den Muslimen gleichzusetzen. Die muslimische Ummah ist verpestet mit nationalistischen und rassistischem Gedankengut, Vorurteilen und Stereotypen. Auch kann sich die Islamische Welt und somit auch die Muslime nicht von Ihrer Rolle im rassistischem System, weder  bei der Etablierung noch Erhaltung desselbigen Freisprechen. Institutionalisierter Rassismus ist in der Islamischen Welt genauso, wenn nicht sogar noch offensichtlicher, anzutreffen wie überall andernorts auf der Welt.

Es bringt mich manchmal schier zum Verzweifeln wie manche Muslime sich weigern den großen Unterschied zwischen Rassismus, als systematisches unterdrückendes System, und Diskriminierung auf persönlicher Ebene zu begreifen. Es ist ein Unterschied wenn Menschen aufgrund Ihrer Hautfarbe über Jahrhunderte unterdrückt, dämonisiert und als minderwertige Menschen betrachtet werden. (vor allem wenn dieses Gedankengut in Büchern, Kinderliedern, Folkloreveranstaltungen, Märchen und so vielen anderen Dingen noch tatsächlich präsent ist !), und dem was im Allgemeinen Migranten in Deutschland oder andernorts an Diskriminierung entgegengebracht wird. Auch zu erwähnen ist, dass die einen als gesamte Nationen und völkerumfassende Gruppe weltweit an den Spätfolgen von Kolonialisierung und Sklaverei ökonomisch und sozial leiden, während dies bei anderen nicht der Fall ist. Auf Einwände die die Kolonialisierung der arabischen Länder damit gleichsetzen wollen, antworte ich: Dass Kolonialisierung und Besatzung der arabischen Länder nie mit Sklaverei der dortigen Völker verbunden war und auch keine rassischen Theorien dazu führten diese zu rechtfertigen.

Es gibt Diskriminierung und Benachteiligung gegenüber sogenannten „Ausländern und Migranten“. das ist nicht zu leugnen! Nur erfahren die Betroffenen diese meist nicht wegen ihrer Äußeren gottgegebenen Attribute im eigentlichen Sinne, und auf institutioneller globaler Ebene. Die Diskriminierung die in dieser Form stattfindet basiert auf nationalen Ideen (Deutschland den Deutschen) und der Angst der Europäer um Ihren Wohlstand, die sich momentan mit der bitteren Erkenntnis paart, dass nun immer mehr Menschen da sind mit denen sie diesen Teilen müssen. Kein Türke muss heute in Deutschland noch ernsthaft darüber diskutieren ob es in Ordnung ist „Kanacke“ „Ölauge“ oder „Kameltreiber“ öffentlich zu sagen, während schwarze Menschen immer noch Debatten darüber führen müssen ob das Wort „Ne…“ nun zum deutschen Sprachgebrauch gehört oder nicht und ob man denn noch Moh…kopf sagen darf oder nicht.

slaveship-zanzibar
Sklavenschiff, Indischer Ozean 18-

Was die Diskriminierungserfahrungen angeht, sitzen wir als Migranten und deren Kinder sicherlich im selben Boot. Was tatsächlichen Rassismus betrifft weise ich dies entschieden zurück. Ein nicht schwarzer Mensch ist zwangsläufig Profiteur und teils Akteur in einem über die Jahrhunderte entwickeltem globalem System welches an der untersten Stufe schwarze Menschen stehen hat. Ob er dies so für sich entschieden hat oder nicht, ist dabei unerheblich, da dies dem Umstand keinen Abbruch tut. Wenn nun gesagt wird, wo dieses weissen priviligien im Falle der Massaker in Bosnien oder dem Obdachlosen Bettler am Bahnhof zu finden seien, mag das zunächst einmal nach einem vernünftigem Einwand klingen. Mir fällt darauf jedoch das Sprichwort: Die Ausnahme bestätigt die Regel zu ersterem ein, und zum zweiten Fall, sollte man auf das deutsche Sozialsystem verweisen welches jedem Hilfe gewährt der diese nicht aus freien Stücken ablehnt. Dieses Sozialsystem wurde mitunter vom Wohlstand der europäischen Länder geschaffen, der ohne Ausbeutung vornehmlich schwarzer Menschen nie in dieser Form existieren hätte können und kann. 

Wenn nun also Muslime so tun als würde sie dass alles nichts angehen, tragen sie Scheuklappen mittels derer sie es sich einfach machen die Realität zu verweigern.

Auch wurde mir schon mehrmals gesagt : „Mann kann nicht Muslim und Rassist zugleich sein.

-Wikipedia
Ein Eunuch eines Osmanischen Sultans

Ein Freund schrieb mir: „Nach dieser Logik haben wir eigentlich nur zwei Möglichkeiten.

  1. Alle Muslime der letzten 1400 Jahre die in der massenhaften Verschleppung, Vergewaltigung und Kastration schwarzer Menschen aus dem südlich der Sahara gelegenem Afrika involviert waren, aus dem einzigen Grund weil diese schwarze (Heiden) waren, waren alle samt keine Rassisten, da sie ja Muslime waren.
  2. Alle diese Menschen waren aufgrund Ihres Rassismus keine Muslime.

Das finde ich sehr Interessant, denn bisher konnte auch ich keinen Text oder eine Fatwa finden die Rassismus und Ungerechtigkeit als Auslöscher des Islams bewertet.

„320 Knaben und 704 Weiber hielt der Sultan (Mehmed II.) zurück; […] Von jenen anderen Knaben ließ er einigen auch die männlichen Glieder abschneiden, und einer von ihnen starb daran. Und so nennen die Türken sie hadimlar, das bedeutet Hämlinge, sie bewachen die Frauen des Sultans.“
– Konstantin aus Ostrovitza: Memoiren eines Janitscharen

PS: Die Bilder die diesen Text begleiten dienen als Denkanstoß für nicht Europäer, die darüber nachdenken sollten ob Ihre Heimatländer und Völker nicht doch auch vom rassistischen Einstellungen und Gebräuchen profitiert haben.