Racial Profiling findet statt. Nicht erst seit Silvester, sondern jeden Tag in fast jeder Großstadt Deutschlands, wenn nicht gar Europas. 

Persönlich kann ich nicht mehr zählen wie oft ich mit den Worten : „Grüss Gott Polizei, die Ausweise bitte.“ grundlos kontrolliert wurde, währen „durchnittliche“ Europäer ohne weitere Behelligung an mir vorbei zogen. Beim letzten mal wurde ich wohl Opfer einer misslungenen Fahndung, und direkt aus der U Bahn heraus zu Boden geworfen, gefesselt, gefragt wo die Drogen sind, zur Wache gebracht und musste dort einen kleinen Strip hinlegen, bei dem keine Körperöffnung nicht inspiziert wurde. Mein Handy das dabei kaputt ging wurde nicht ersetzt und eine Entschuldigung gab es auch nie.

Wenn man solche Ungerechtigkeiten sein leben lang mitmacht hat man dafür entweder gar keinen Nerv mehr und wird aggressiv, oder man lässt es einfach passieren wenn es soweit ist (weil man weiß, dass man sowieso den kürzeren ziehen wird).

So oder so, die Wut auf diese Methoden  bleibt bestehen und wächst über die Jahre. 

Was mich aber ebenfalls wütend macht, ist der Umstand, dass es ein paar Chaoten gibt, die das ganze noch verschlimmern. Und davor kann man bei aller Liebe zur Menschheit und Gerechtigkeit nicht die Augen verschließen und dann so tun als wäre alles wie gewohnt. 

Zwei Jahre habe ich in Flüchtlingsuterkünften gearbeitet, und in keiner Zeit meines Lebens  bin ich menschenfeindlicher geworden als dort. In den Unterkünften erlebt man das was sich im grossen Gesamten abspielt in eine Art Mikrokosmos. Eine Minderheit der Flüchtlinge benimmt sich daneben, der Rest ist im Grunde wie alle anderen Menschen auf dem Globus. Irgedwann überkommt einen das Gefühl, das aus der zuerst Genannten Gruppe Menschen gewisser Nationalitäten (subjektiv) zu bestimmten Verhaltensweisen neigen, was sicher auch den jeweiligen Mentalitäten zuzuschreiben ist. Das Problem ist, dass diejenigen die sich daneben benehmen es oft so extrem übertreiben,  dass einem regelmässig der Kragen platzten möchte. Wenn dir von 1000 Asylsuchenden Bewohnern jeden Tag die selben 50 Hampelmänner mit gleicher Herkunft auf die nerven gehen, Tag ein Tag aus respektlos, aggresiv, handgreiflich und ausfallend sind, musst du einen klaren Blick und Ruhe bewahren um nicht ungerecht zu werden und deine Wut auf die anderen 950 Menschen zu projezieren. Wenn ich, als jemand der nie Kontakt zu anderen Kulturen ausser den europäischen hatte, jeden Tag über den Münchener Hauptbahnhof fahre und dort seit der Flüchtlingskrise von früh bis spät Afrikaner beim zechen, grölen und sich daneben benehmen sehe, würde ich mir vielleicht auch irgedwann denken das alle so sind. Denn den grossen Teil der auf eine gute Zukunft hofft und sich anstrengt, den sehe ich nicht auf den Strassen und habe auch kaum Berührungspunkte in meinem Privatleben mit ihnen. Sie gehen in meinem Bewusstsein einfach unter ! 

Wir haben ein Problem, das müssen wie alle einsehen, denn beim besoffen herumlungern wie es auch hunderte deutsche tun ist es nicht geblieben. Wir haben ein Problem  mit sexueller Gewalt, mit respektlosem verhalten gegenüber der Bevölkerung und dem Staat, mit Antanzmaschen und sogar mit Terrorattacken (die von Menschen die sich als Schutzsuchende ausgeben begangen werden), das genauso real ist wie rechte Gewalt, Alltagsrassisten, und Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Öffentlichkeit hat Angst, manchmal unbegründet, und in Fällen wie Silvester in Köln begründet. Wenn von x Tätern bei bestimmten Vorkommnissen viele Täter als Asylsuchenden identifiziert wurden die aus einer bestimmten Region der Welt kommen, dann ist es eben kein Einzelfall mehr und Zufall schon gar nicht.  

Was ich in der ganzen Debatte um racial profiling vermisse, und worauf ich im Moment selbst keine Antwort habe ist die Frage : „Wie hätte die Polizei in der vergangenen Silvesternacht handeln sollen, so daß es für alle recht ist?“, wenn man sich die Vorkommnisse vorangegangenen Jahres vor Augen hält.

Wenn wir ehrlich zu uns sind, müssen wir vielleicht zugeben, daß der Handlungspielraum des Staates begrenzt war, und wie trotz allem Missmut keine bessere Lösung nennen können. Das alle Anschuldigungen bezüglich racial profiling gerechtfertigt sind, wir es aber mit einer noch nie dagewesenen Situation zu tun hatten, und diese Situationen in Zukunft bestimmt nicht weniger werden. Es sind keine alten Problem zwischen deutschen und Ausländern, Kriminellen mit Migrationshintergrund die in zweiter Generator hier sind und der Polizei. Es sind neue.

Was wir jedoch verhindern müssen, ist das racial profiling ein Alltagsphänomen wird, unter dem alle Menschen mit Migrationshintergrund oder Teile davon unter Generalverdacht potenzielle Kriminelle zu sein gestellt werden weshalb die Debatte an sich richtig ist.